Die kompetente Selbstbestimmung des Kindes


Daß wir immer noch meinen, ein Kind sei zu er-ziehen, zeigt, daß wir Vertrauen in sein Entwicklungsprogramm, das auch Stabilität und Selbsterhaltungstrieb vorsieht, verloren haben. Unsere Eingriffe sind Projektionen, deren Ursachen unserer eigenen manipulierten Kindheit entstammen. Die kleinere Statur eines Kindes, die geringeren Erfahrungen mit der Realität berechtigen uns nicht, ihm seine Selbstbestimmung abzusprechen und seine eigenen Erfahrungen zu machen. Jede Einmischung irritiert sein Gesamtgefüge, da sie in seine sich entwickelnde Gesamtorientierung, die sich aus unzähligen Teilerfahrungen bildet, eingefügt werden muß. Je mehr Einmischungen desto brüchiger wird die Ganzheit seiner Eigenorganisation.

Ein Kontinuumkind empfindet als Grundgefühl Wohlbehagen, das in der Phase des Getragenwerdens vertieft wurde. Es wird sich dieses Grundgefühl als stetigen warmen Strom seines Lebens erhalten wollen.

In seiner Familie ist gegenseitige Achtung selbstverständlich. Respekt und Würde wird jedem zuteil, egal welchen Alters, ob Säugling, Kleinkind, Jugendlicher, Erwachsener oder Greis. Dadurch entwickelt sich das soziale Verhalten früher als bei uns, freiwillig-selbstverständlich und ist beständig. Ein Kleinkind fühlt sich seiner Familie zugehörig und möchte sich nützlich machen, soweit es das kann. Das Annehmen seiner sozialen Angebote befriedigt seinen Wunsch nützlich zu sein und gebraucht zu werden und es wird nichts tun wollen, was dem Gemeinschaftsgeist seiner Familie zuwiderläuft.

In unserer Gesellschaft werden Kinder in ihrem sozialen Bemühen eher gekränkt mit Sätzen wie: „Das kannst du noch nicht, laß mal, das dauert mir zu lange, das verstehst du nicht" etc. und tragen schwerlich zu einem Selbstwertgefühl bei. Das Selbstwertgefühl ist jedoch die Voraussetzung für soziales Empfinden und Verhalten in der Familie und später der Gesellschaft, der man angehört.



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